Einsamkeit überwinden

Einsamkeit überwinden

Posted by Redaktion in Allgemein 03 Dez 2020

„Einsamkeit ist eine Gefängniszelle, die sich nur von innen öffnen lässt“ (Zitat von Alfredo Le Mont)

Einsamkeit in Zeiten von Corona, innere Leere, das Gefühl, überflüssig und ungeliebt zu sein, chronische Einsamkeit: warum fühlen wir uns einsam, wie kann man der Einsamkeit vorbeugen und was tun, wenn man sich einsam fühlt?

Nicht alle Menschen können der Einsamkeit etwas Positives abgewinnen. Die meisten Menschen empfinden Einsamkeit und Alleinsein als sehr schmerzhaft und belastend.

Alleinsein führt nicht zwangsläufig zum Gefühl der Einsamkeit!

Viele Menschen haben Angst vor der Einsamkeit oder Vereinsamung, während es andererseits Menschen gibt, die bewusst die Einsamkeit und Zurückgezogenheit suchen, indem sie für einige Wochen in ein Kloster gehen. Einsamkeit kann (körperlich) krank machen, wenn wir uns ihr ausgeliefert fühlen. Sie kann aber auch die Persönlichkeit stärken, wenn wir sie bewusst aufsuchen, um z.B. zu meditieren.

Ursachen

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass bestimmte negative Einstellungen uns für Einsamkeitsgefühle empfänglich machen. Menschen, die sich einsam fühlen, glauben, nicht liebenswert zu sein. Sie glauben, unbedingt einen Partner zu brauchen, um glücklich zu sein.

Das Gefühl, nicht liebenswert zu sein, entsteht sehr oft in der Kindheit.

Viele Menschen leiden unter einer starken Angst vor Ablehnung und lehnen sich selbst ab. Da sie sich selbst ablehnen, sind sie in starkem Maße auf Anerkennung, Lob und Zuspruch anderer angewiesen. Manchmal wirken sie aufgrund innerer Unsicherheiten arrogant und überheblich.

Umgekehrt zeichnen sich Menschen, die mit sich allein zufrieden sein können, aber auch im Kontakt zu anderen Menschen stehen, durch folgende Einstellungen aus. Sie können

  • sich selbst annehmen und glauben, anderen Menschen etwas geben zu können
  • damit umgehen, dass ein anderer sie ablehnt und ihre Schwächen erkennt
  • andere Menschen mit ihren Schwächen akzeptieren.

Ob wir uns einsam fühlen, hängt also nicht davon ab, ob wir allein sind, sondern von unserer Einstellung zu uns und unserem Leben.

Auch Veränderungen in den Lebensumständen können die Entstehung von Einsamkeitsgefühlen begünstigen.

Wenn der Partner sich von uns trennt, wenn die Kinder aus dem Haus gehen, wenn wir pensioniert werden, wenn wir eine chronische Erkrankung bekommen oder körperliche Beschwerden uns einschränken und behindern.

Entstehung chronischer Einsamkeit

1. Die momentane, vorübergehende Einsamkeit

Die Einsamkeitsgefühle dauern nur kurze Zeit und sind eine Reaktion auf äußere Umstände wie beispielsweise einen Umzug, einen Krankenhausaufenthalt, Arbeitslosigkeit, den Auszug der Kinder. Ausgelöst durch diese Ereignisse können wir von dem Kontakt mit anderen uns vertrauten Menschen abgeschnitten sein. Diese Phase der Einsamkeit ist nicht schädlich, sondern kann hilfreich sein, uns den neuen Umständen anzupassen. Sie deutet eine Veränderung in unserem Leben an.

2. Der langsame Rückzug

Die Einsamkeit beginnt, unser Dauerbegleiter zu sein. Unsere Fähigkeiten, Kontakt aufzunehmen und uns mit anderen Menschen zu unterhalten, nehmen langsam ab. Wir verlernen zu lächeln und über Alltäglichkeiten zu reden.

3. Die chronische Einsamkeit

Die Einsamkeitsgefühle dauern Monate oder gar Jahre. Wir versteinern. Einsamkeit kann zu Depressionen führen. Alle unsere Fähigkeiten, Kontakt aufzunehmen und aufrechtzuerhalten, für andere attraktiv zu sein, Anerkennung anzunehmen und zu geben, sind verschwunden. Andere wissen nichts mehr mit uns anzufangen. Wir fühlen uns abgelehnt und unattraktiv und verlieren immer mehr das Vertrauen in eigene Fähigkeiten. Wir ziehen uns zurück, kapseln uns ab oder werden anderen gegenüber immer abweisender und gereizter.

Die folgenden Faktoren können dazu beitragen, dass sich Menschen einsam fühlen:

  • Viele Menschen leben in der Großstadt. Der Kontakt zu den Angehörigen wird oder kann nicht mehr so gepflegt werden. Außerdem ist die Anonymität in einer Stadt größer als auf dem Land.
  • Jede dritte Ehe zerbricht und hinterlässt zunächst einmal zwei alleinstehende Menschen.
  • Die Lebenserwartung steigt. Da Frauen länger leben, gibt es mit zunehmendem Alter auch mehr alleinstehende Frauen.
  • Die Menschen setzen sich immer mehr Ziele, legen ihren Schwerpunkt auf Erfolg und Leistung, denken zunächst einmal an sich selbst. So werden Partnerschaften erschwert oder die Bildung von Partnerschaften vernachlässigt.
  • Der Einzug des Computers in den beruflichen und privaten Bereich erschwert die soziale Kommunikation. Menschen sind es nicht mehr gewohnt, miteinander zu sprechen und aufeinander ein- und zuzugehen.
  • Es ist für viele junge Menschen unmodern, sich in einem Verein oder ehrenamtlich zu engagieren.
  • Viele Eltern sind beide berufstätig, so dass sie wenig Zeit haben, mit ihrem Kind zu sprechen, es in der sozialen Kommunikation zu schulen. Sie können dem Kind nur schwer ein Gefühl des Geborgenseins und der Annahme vermitteln.
  • Mangelnde Selbstliebe: wer sich selbst nicht genügt, der braucht andere, um das Gefühl zu haben, liebenswert zu sein.

Können wir Einsamkeitsgefühle vollkommen aus dem Leben verbannen?

Nein. Es wird immer wieder Momente geben, in denen wir uns auf uns selbst zurückgeworfen und alleine fühlen. Augenblicke, in denen wir uns ungeliebt, hilflos und völlig isoliert von allen anderen Menschen fühlen. Wir können jedoch etwas tun, dass aus der gelegentlichen Einsamkeit keine chronische Einsamkeit wird.

Einsamkeit überwinden? Wege aus der Einsamkeit

„Ich bin einsam und allein, was soll ich tun?“ Diese Frage stellen mir viele Menschen in der Therapie. Einsamkeitsgefühle sind ein Alarmsignal, dass sich in Ihrem Leben etwas geändert hat und/oder Ihre Bedürfnisse nicht (mehr) erfüllt werden. Nehmen Sie diese Gefühle zum Anlass, herauszufinden, was Ihnen fehlt und zu lernen, mit sich selbst alleine zufrieden zu sein und/oder um zu lernen, auf andere Menschen zuzugehen.

Behandeln Sie sich liebevoll wie einen guten Freund.
Wenn Sie die Einstellung haben, dass es sich nicht lohnt, für Sie alleine etwas Schönes zu kochen oder den Tisch zu decken, dass der Spaziergang alleine ohnehin keine Freude machen kann und Sie deshalb lieber zuhause bleiben sollten, dann behandeln Sie sich abschätzig. Sie sind es sich nicht „wert“, für sich alleine etwas Gutes zu tun.

Nehmen Sie Kontakt zu anderen Menschen auf.
Erwarten Sie von sich dabei keine „hochgeistigen“ Gespräche, denn sonst nehmen Sie erst gar keinen Kontakt zu anderen auf. Beginnen Sie über Alltägliches zu reden: das Wetter, das Fernsehprogramm, einen Zeitschriftenartikel, den Sie gelesen haben. Interessieren Sie sich für den anderen und erzählen Sie auch etwas von sich. Hierdurch bleiben Sie in Übung und haben den Eindruck, dazuzugehören. Üben Sie sich im Small Talk.

Stellen Sie an Ihre Umwelt keine allzu hohen Erwartungen.
Mit dem einen Menschen können Sie vielleicht über Kinder reden, mit dem anderen Spaziergänge machen, mit wieder einem anderen vielleicht einem Hobby nachgehen. Ein einzelner Mensch braucht und wird nicht alle Ihre Bedürfnisse erfüllen.

Geben Sie Ihrem Leben einen Sinn
Geben Sie Ihrem Leben einen Sinn, indem Sie sich eine Aufgabe suchen wie etwa eine ehrenamtliche Betätigung. Durch eine ehrenamtliche Betätigung fühlen Sie sich gebraucht und Sie haben Kontakt zu anderen Menschen. Sie helfen also anderen und sich selbst. Um Ihr Bedürfnis nach Zuwendung und Gebrauchtwerden zu befriedigen, könnten Sie auch z.B. in ein Tierheim gehen und dort anbieten, regelmäßig einen Hund auszuführen.

Lernen Sie, sich selbst mehr anzunehmen.
In dem Maße, in dem Sie sich selbst mögen und für liebenswert halten, werden Ihre Einsamkeitsgefühle abnehmen.

In einem Einsamkeit Forum können Sie sich mit anderen austauschen und Rat einholen.
Ein Forum bietet auch die Möglichkeit, Kontakte mit Menschen herzustellen, denen es ähnlich geht. Ich wünsche Ihnen, dass Sie es schaffen, sich aus dem Gefängnis der Einsamkeit zu befreien und sich mit anderen Menschen verbunden zu fühlen.

Einsamkeitsgefühle und Gefühle des Isoliert seins sind kein unüberwindbares Schicksal. Sie können Ihre Einsamkeit überwinden.

Sie haben ein Problem und schon viel versucht?

Wir finden die Lösung dort, wo Sie noch nie gesucht haben.

Rufen Sie mich in meiner Praxis Psychotherapie Stuttgart an 0711 88 77 812 –oder schreiben Sie mir eine Nachricht unter: info@stuttgarter-psychotherapie.de

Ihre Heilpraktikerin für Psychotherapie und Kunsttherapeutin Ute Steinke-Spangenberg aus Stuttgart Degerloch

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